Zu helfen bereichert einen selbst

Von Elvira Meisel-Kemper (Borkener Zeitung, 18. April 2021)

 

HEIDEN. „Ich hatte immer schon den Drang, Menschen zu helfen.“ Und: „Ich hatte schon früher türkische Freunde.“ Das sind Schlüsselsätze von Lisa Kemper (56). Beide erklären, warum sich Kemper ehrenamtlich seit Jahren für andere Menschen und besonders für Menschen mit Migrationshintergrund einsetzt. Nicht umsonst wurde sie vom Borkener Club der Soroptimisten zur „Alltagsheldin“ gekürt (die BZ berichtete) und damit völlig überrumpelt, denn sie wusste nichts von der Nominierung durch den ehemaligen Bürgermeister Hans-Jürgen Benson. 

Ausbildung zur Krankenschwester

Kemper wuchs in ihrer Heimatstadt Gladbeck mit türkischstämmigen Nachbarn auf. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Krankenschwester, heiratete vor 27 Jahren Benedikt Kemper und bekam zwei Töchter. Immer wieder arbeitete sie im pflegerischen Bereich, kümmerte sich ehrenamtlich um kranke und einsame Menschen. Und dann kam 2015 die Flüchtlingswelle. Als Krankenschwester arbeitete sie in den Flüchtlingscamps Hotel Frankenhof Reken und auch in Ahaus für den DRK-Kreisverband. 2015 war sie Mitgründerin des Vereins „Heiden – Wir helfen“, in dem ihr Mann seit März 2021 Vorsitzender ist. 

Die syrische Familie Mourad war die erste, die sie aus dem Flüchtlingscamp nach Heiden in ihre direkte Nachbarschaft holte, alles in Absprache mit der Gemeinde und der Bezirksregierung. Eine andere neunköpfige syrische Familie, konnte sie in Heiden-Leblich ansiedeln. 

Es sind nur zwei Beispiele, dass Menschen, die alles verloren haben durch Krieg und Gewalt, mit ihrer Hilfe eine neue Heimat und neue Freunde gefunden haben. „Daraus sind Freundschaften entstanden. Wir kriegen so viel von diesen Menschen zurück“, erklärt Kemper die persönliche, emotionale Bereicherung. 

Arabisch gelernt 

Durch die Kinder lernte Kemper die ersten arabischen Wörter. Mittlerweile spricht, liest und schreibt sie in arabischer Sprache. Auf ihrem Handy hat sie sogar die arabische Schrift installiert. „Durch die arabische Sprache lernt man viel über die Kultur. Integration kann nur gelingen, wenn beide Seiten bereit sind, sich mit der Sprache und der Kultur des anderen auseinanderzusetzen.“ 

Die KAB (Katholische Arbeitnehmer Bewegung), bei der ihr Mann hauptamtlich tätig ist, half ebenso wie der damalige Bürgermeister Hans-Jürgen Benson. In der ehemaligen Ludgerusschule wurden eine Schule für Flüchtlinge eingerichtet und ein Büro als erste Anlaufstelle. Sie gründete das „Café International“, half bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, bei der Einrichtung der Wohnung, bei Behördengängen, Arztbesuchen, Schularbeiten.... Vor allem die Traumatisierungen der Flüchtlinge beschäftigen sie immer wieder. 

„Manches wird in der Bevölkerung belächelt, vieles aber auch immer mehr verstanden“, sagt Kemper. Und sie fügt hinzu: „Wenn mein Mann und ich uns nicht so gut ergänzen würden, würde das Familienleben auch nicht so klappen.“ Denn eines teilt das Ehepaar Kemper auch, die Liebe zum FC Bayern München. 

Wer mithelfen möchte, kann sich direkt bei Lisa Kemper unter der Telefonnummer 02867/9448 melden.

 

Soroptimistinnen küren Lisa Kemper zur „Alltagsheldin“

Von Elvira Meisel-Kemper (Borkener Zeitung, 11. April 2021)

BORKEN. Das Buch „Die einflussreichsten Frauen unserer Zeit“ war für Ilga Bruns, Mitglied des Soroptimstinnen Clubs Borken, Impulsgeber. Im Zusammenhang mit dem Internationalen Frauentag Anfang März entstand die Idee, einen Preis der „Alltagsheldin im Kreis Borken“ auszuloben. Zusammen mit den Clubschwestern Anneliese Mußenbrock, Gerda Siebelt, Gabriele Schmidt und ihrer Präsidentin Dr. Elke Vieth wurde die Idee umgesetzt. Erste Preisträgerin ist nun Lisa Kemper aus Heiden.

Bürger aus dem Kreis Borken sollten Frauen nennen, die sich seit Jahren ehrenamtlich engagieren. Denn, so formulierten die Soroptimistinnen die Ausschreibung: „Oft agieren Frauen im Stillen und Verborgenen und werden dafür nicht ausgezeichnet. Und das, obwohl sie für die Gesellschaft Großes leisten“, heißt es darin.
Die Nominierung von 18 Frauen aus dem Kreis Borken überwältigte die Soroptimistinnen. Ausgeschlossen wurden Frauen, die sich ehrenamtlich im kirchlichen und im politischen Bereich einbringen, um Polarisierungen zu vermeiden.

Die Nominierten engagieren sich ehrenamtlich im sportlichen Bereich, in der Behindertenarbeit, in der Brauchtums- und Kulturpflege, in der Unterstützung für Kinder und Jugendliche, in Integrationsprojekten, in der Arbeitsvermittlung und in der Unterstützung älterer Menschen sowie in der Hilfe für Menschen in Notlagen.
Die Wahl der Preisträgerin, der ein Preisgeld von 1000 Euro und ein Teller mit dem Motiv des kolumbianischen Künstlers Duvan winkt, war nicht so ganz einfach. „Das ist so toll, dass wird diese Vielfalt haben. Alle hätten den Preis verdient“, entschuldigte sich Siebelt beinahe bei den 17 Frauen, die nicht zur Preisträgerin gekürt wurden. Diese Frauen erhalten in den nächsten Tagen das Buch „Die einflussreichsten Frauen unserer Zeit“ mit einem Dankesschreiben für ihre wichtige Arbeit.

Lisa Kemper wurde mit der Nachricht in ihrem Wohnhaus von Mußenbrock und Bruns überrascht. In naher Zukunft möchten die Soroptimistinnen den Preis an Kemper in Borken offiziell überreichen. Ein Termin steht, bedingt durch die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie, allerdings noch nicht fest.

Kemper wurde per E-Mail am 10. März vom ehemaligen Heidener Bürgermeister Hans-Jürgen Benson vorgeschlagen. Er ist seit Kurzem stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Heiden-Wir helfen“, in dem sich auch Lisa Kemper seit 2015, der Gründung des Vereins, in mehrfacher und effektiver Hinsicht um die Integration von Flüchtlingen kümmert. „Wären nicht die zahlreichen Helfer in unserer Gemeinde…, hätte eine so reibungslose Eingliederung in Heiden nicht geklappt“, schrieb Benson in seiner Begründung. Er bezeichnete Lisa Kemper „als „herausragende Persönlichkeit“ in der Flüchtlingshilfe.
 

Signal gegen Gewalt an Frauen

von Peter Berger (Borkener Zeitung, 26.11.20)

Orange Day

BORKEN. Das Farb (Forum Altes Rathaus Borken) wird bis Sonntag außen eine Signalfarbe tragen: orange. Mit der symbolischen Aktion beteiligt sich die Stadt an dem von Menschenrechtsorganisationen ausgerufenen „Orange Day“. Dieser ist seit 1981 der Beseitigung der Gewalt gegen Frauen gewidmet.

In Borken haben Vertreterinnen der kfd sowie des Soroptimisten-Clubs mit der Gleichstellungsbeauftragten Carina Sienert ein kurzes Video gedreht, um auf das weltweite Problem aufmerksam zu machen. Die Farbe Orange steht dabei für Kraft und Widerstand und signalisiert weltweite Verbundenheit im Kampf gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Das Problem ziehe sich durch alle gesellschaftliche Schichten. Jede dritte Frau werde im Laufe ihres Lebens Opfer von physischer oder psychischer Gewalt, verdeutliche Bürgermeisterin Mechtild Schulze Hessing bei der Inbetriebnahme der orangenfarbenen Strahler entlang der Farb-Fassade.

Laut Bundeskriminalamt gab es im vergangenen Jahr rund 142.000 Opfer von Gewalt innerhalb einer Partnerschaft - der Großteil davon (115.000) waren Frauen. Im Kreis Borken hat die Anzahl der Vorfälle von häuslicher Gewalt in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen (die BZ berichtete). Von 2011 bis 2018 hat sich die Zahl bekannt gewordener Fälle mehr als verdoppelt, wie die Kreispolizei Borken auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt. Waren es 2011 noch 305 Fälle häuslicher Gewalt im Kreis Borken, so stieg die Zahl innerhalb von sieben Jahren auf 708 Fälle. Im vergangenen Jahr gab es dann erstmals einen Rückgang auf 615 Fälle.

Gleichwohl dürfte die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt deutlich höher liegen, gerade in aktuellen Zeiten der Corona-Pandemie. Die Dunkelziffer werde auf 90 Prozent geschätzt, so Gleichstellungsbeauftragte Sienert. Die Organisatorinnen prangern zudem sämtliche Ausprägungen von Gewalt an: Bedrohung, Mobbing, sexualisierte Gewalt, Zwangsheirat und Genitalverstümmelung.

Die Borkener Gleichstellungsbeauftragte rief zur Zivilcourage auf: „Bleiben Sie aufmerksam und bieten Sie Hilfe an", sagte sie. Im Falle häuslicher Gewalt kann man sich unter anderem an das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen" unter der kostenlosen Nummer 0800/0116016 wenden.

|Ihr Kontakt zum Autor: berger@borkenerzeitung.de Tel. 02861/944-163 

 

Kleine Sonnen leuchten und helfen

von Markus Schönherr (Borkener Zeitung, 30.10.2020)

Spendenübergabe vor dem letzten Artline-Wochenende

BORKEN. 318 kleine Sonnen leuchten in Borken. So viele Solarleuchten in Sonnenform wurden im Laufe der Artline reloaded verkauft. Da von jeder verkauften Lampe fünf Euro für die Aktion „Nachbarn helfen“ bestimmt waren, konnte die Organisatorin der vierwöchigen Kunstschau, Gerda Siebelt, nun 1590 Euro als Spende überreichen. Beate Schmidt von „Nachbarn helfen“ freute sich über den Beitrag.

Die Aktion unterstützt vor allem in der Weihnachtszeit bedürftige Menschen in und um Borken. „Ich denke, dass wir in diesem Jahr mehr Anträge bekommen werden“, sagte Beate Schmidt im Hinblick auf die durch Corona erschwerte Lage vieler Menschen.
Verkauft wurden die kleinen Sonnen im BZ-Ticketcenter, in der Galerie Open Art und über die Soroptimistengruppe Borken. Für deren Präsidentin Dr. Elke Vieth war die Spendenübergabe eine der ersten Amtshandlungen. Seit dem 1. Oktober hat sie das Amt inne. Der Verkauf der Sonnen für den guten Zweck sei eine tolle Aktion gewesen, sagte sie.
Die Artline geht an diesem Wochenende zu Ende. Bis dahin können Kulturfreunde noch in vielen Schaufenstern in der Borkener Innenstadt Bilder und Skulpturen sehen. Die größten Kunstwerke hängen hinter den Fenstern des Verlages Mergelsberg an der Bahnhofstraße. Dort schweben drei große Tänzerinnen, die der kolumbianische Künstler Duván aus Acrylglas hergestellt hat.

Die großen Fenster des Verlagshauses seien der perfekte Ort für seine Skulpturen, sagte Duván, der sich zurzeit in Borken aufhält. In der Eingangshalle hätten die Figuren Platz zum Tanzen.
Die eigentlich geplante Finissage zum Abschluss der Artline wird wegen der Coronalage nicht stattfinden, erklärte Gerda Siebelt. Besucher können sich aber am Samstag zwischen 10 und 20 Uhr in der Galerie Open Art am Neutor noch einmal die dort ausgestellten Arbeiten ansehen und die letzten noch verbliebenen kleinen Sonnen kaufen.

Am Abend werden ein letztes Mal die 30 kleinen Sonnen eingeschaltet, die im Innenhof der Galerie an einer Baumskulptur hängen. Nach dem Ende der Artline wird Gerda Siebelt die Leuchten an ein Schulprojekt in Malawi spenden.


Top